Montag, 22. März 2021

Kindliche Kaiser

 








 
1.11.1007 Die dritte Königskonjunktion in der Jungfrau

 Friedrich 2. von Hohenstaufen

Ich habe lange überlegt, welcher Ereigniskomplex am besten geeignet sei, im Rahmen des Exemplarischen die Königskonjunktion vom 1.11.1007 vorzustellen. Napoleon, die Französische Revolution, die Unabhängigkeit Amerikas, der Dreißigjährige Krieg, die Reformation, die Entdeckung der neuen Welten, alles Weltereignisse, die es anbieten, sie auf ihre himmlischen Parallelen bzw. auf ihren archetypischen Hintergrund hin zu untersuchen.

Eine Gestalt innerhalb der ersten drei Jahrhunderte seit 1007 hat mir immer besonders imponiert: Kaiser Friedrich II. mit seiner sarazenischen Leibwache und seinem 'modernen' 'Fachbuch' über die  Jagd mit Falken. Man bedenke heute: ein US-Präsident mit einer muslimischen Sicherheitsabteilung – noch immer undenkbar.




 Dieser Kaiser hat die päpstlichen Interessen in ihrem Drang nach geistlicher und weltlicher Weltherrschaft aufs äußerste gereizt, hat einen modernen zentralisierten Beamtenstaat geschaffen (das Sizilien der Konstitution von Melfi)  hat literarische und politische Werke erschaffen die „das Staunen der Welt“ hervorriefen und das Unmögliche erhoffen ließen. Denn seine Stellung war eigentlich von Anfang an, als er mit sechzehn Jahren zum Kaiser geweiht wurde,  aussichtslos und dennoch gelangte er fast bis zum Unmöglichen: der erneuerten Herrschaft in einem kaiserlichen Imperium von Dänemark bis Sizilien. Besonders imponiert uns heutige sein „Kreuzzug“ nach Ägypten, den er 1228 unter päpstlichem Bann unternahm, und der nach nächtelangen philosophischen Diskussionen mit zwei Emiren in der Stadt Joppe zu einem Vertrag mit dem Sultan von Ägypten, El Kamil, führte, welcher ihm ohne einen Schwertstreich den Küstenstrich, dazu Jerusalem, Bethlehem und Nazareth für zehn Jahre übereignete. Sein Einzug in Jerusalem am 18.3.1229, wo er sich selbst zum König krönte,  zeigt den Schneid, den dieser Kaiser hatte.

 


18.3.1229 
Friedrichs  Einzug in Jerusalem und Selbstkrönung




18.3.1229 Tranit auf Königskonjunktion 1007

Wie auch immer – der Streit, den ausfechten zu müssen Friedrichs Schicksal war, hat schließlich mit dem Scheitern und dem Untergang der Staufferdynastie und damit dem dynastischen 'römischen' Kaisertum überhaupt geendet. Sechzig Jahre später folgte aber auch der Sturz des Papsttums von den Höhen der Theokratie ins Zwangsexil zu Avignon.

 Dieser Streit illustriert die charakteristische Besonderheit der Königskonjunktion von 1007 die den archetypischen Hintergrund jener achteinhalb Jahrhunderte bildete.

Auf das grundsätzlich Paradox des Religiösen, wie es der Tierkreis im großen Kreuz der mittleren Zeichen darstellt, ist schon hingewiesen worden. Es war in den Zeichen Stier Löwe – Skorpion Wassermann sichtbar geworden als zwei sich überkreuzende Polaritäten, einander in Schach haltend und, wenn in Resonanz konstelliert, einen elementaren Zustand der gereizten Gleichzeitigkeit von einander ausschließendem anzeigend. Ein Zuststand, der jedoch, vom göttlichen Geist beseelt, erlaubt, zum Frieden in Einheit zu kommen.

 Nun besteht das Leben  als rotierende Pole seit Jahrmilliarden darin, die Spannungen einander entgegengesetzter Polaritäten in Katastrophen zeitweise zu lösen, aber auch auszuhalten und schöpferische auszugleichen. Und es sind  Pflanzen und Tiere ausschließlich darauf angewiesen, den in der Natur sichtbar gewordenen ‚Gotteswillen’ in ihren Maßen und Proportionen zu erfüllen und einzuhalten. Allein dem Menschen , einerseits mit seiner Fähigkeit, diesem Gotteswillen nach zu streben, eröffnet sich andererseits die Alternative, in Freiheit, d.h. bewusst,  von Natur und Gotteswillen abzuweichen und in seiner  Schöpfung zu naturwidrigen Maßen, gotteswidrigen Disproportionen und Monstrositäten fortzuschreiten.

Die Königskonjunktion von 1007 läßt erkennen, daß mit ihren Konstellationen dem Menschen ein ‚Welttag’ angebrochen war, der ihn in Versuchung führen würde: diese war die Versuchung der Theokratie, der Priesterherrschaft. Sie ist grundgelegt in der  priesterlichen Natur des Zeichens Skorpion und seines Herrschers Pluto,  in seinem seelischen Vermögen zu Verzicht und Opfer um des Erhalts des Ganzen Willen.

In der Königskonjunktion von 1007 herrscht Pluto in seinem eigenen Zeichen, was uneingeschränkte Souveränität bedeutet, welche das   Schlimmste und das Beste des Menschenwurms zutage fördert - Drache und Schmetterling.

Zentrale königliche Herrschaft und Stärke zeigt sich als Seelen-Stärke im Zeichen Löwe und Stern Sonne[1], sowie als „väterliche“, geistige Stärke, in der Herrschaft im Zeichen  Steinbock und seines Planeten-Gottes Saturn.  

Hier ist zu fragen, was  ergibt sich daraus, daß Löwe das Folgzeichen von Krebs ist, in welchem der Schoß - das bräutlich Empfangende-   angesprochen ist. Aus dem bräutlichen Schoß, dem Schoß der „Königin“ stammt jenes Vermögen das dann – eben einen Tierkreisschritt weiter - im Zeichen Löwe als  Gleichnis souveräner, unbesiegbarer persönlicher Kraft und Wirksamkeit zutage tritt. „Sonne“ bedeutet physikalisch die zentrale Kraft,   psychologisch  das 'zentrale Licht',  das Ich -Zentrum im Bewusstseinsfeld der Person (JUNG),  das alle anderen Lichter (Mond und Planeten), überstrahlt und  - mit ihrem Strahlen auslöscht.[2]

In der Königskonjunktion von 1007 nun findet man die Sonne auf 20,8° im Skorpion. Die zentrale Kraft, heißt das, ist den Trägern des priesterlichen Prinzips, den Hütern der Satzung überantwortet.

 Ein Blick auf den Skorpion von 1007 zeigt, dass der Priesterplanet,  Pluto selber, ins eigne Zeichen heimgekehrt, also in stärkster Position zu Hause, diktiert und die Kraft und Lust am Leben,  Sonne,  im Abstand von 3° regelrecht frisst.

 „Priesterkönig“, „Theokratie“ ist die zwingende Deutung dieses Zeitbildes.



König Sonne,
Zeichen des Löwen
aus Krebs
dem Schoß der Königin
her kommend
dynastische Macht des Königtums
Löwe im Tierkreis
vom Krebs her 
die Macht eines „Hauses“,

Macht eines Familienverbandes,
 verkörpert durch den Löwen des Hauses



ist seit 1007  nicht nur einmal (weil im Skorpion), nicht nur zweimal (weil Pluto daheim ist, im eignen Zeichen) , sondern dreimal - weil in Konjunktion mit diesem souveränen Pluto - dreifach 'geschwächt'.

Die Königswürde hat noch einen anderen Aspekt. Als personifizierte Kraft – Löwe - eines Familienverbandes ist sie, wenn im ganzen Verband eines Volkes anerkannt und durchgesetzt, Steinbock, bzw. Saturn, d.h. väterliche d.h. höchste und bestimmende Kraft eines Volkes, Stammes Zar oder Kaiser, eines Verbandes von Völkern (Imperium).

 In der Königskonjunktion von 1007 sind die  väterlichen Dinge dadurch gekennzeichnet, dass seine Burg – Steinbock -  von einem Kind – Neptun - bewohnt wird in der Rolle des Vaters. Oder? Steinbock, das Königschloß, das Zentrum des Reiches hat für fast 800 Jahre als Gast: Neptun das „Kind“. Das „Kind als König“ ist Symbol der Schwäche königlich/ kaiserlicher Autorität in dieser Welt seit 1007.

 Es war ja seitdem  Friedrich II. nicht der erste kindliche König auf römisch - deutschem Thron, sein Vater,  Heinrich VI, war zwar gescheitert damit, die Königswürde des Hauses Hohenstaufen von den Fürsten des Reiches für erblich garantiert zu bekommen. Er konnte aber immerhin im Dezember 1196 die Königswahl seines zweijährigen Sohns Friedrich erreichen, ein Jahr bevor er überraschend starb.



26. 12. 1194  Friedrich II. 



Friedrich * 26. 12. 1194  
Transit auf 1.11.1007  

Friedrichs Schicksal ähnelt in auffälliger Weise dem seines salischen Vorgängers Heinrich IV. , der 1053 mit drei Jahren gewählt, mit vier Jahren gekrönt, seinem unerwartet gestorbenen Vater mit sechs Jahren auf den Thron folgte, mit 12 durch den Erzbischof von Köln entführt, mit 15 für mündig erklärt und mit 16 die Regierung selbständig führte. Diese Parallelität ist  erst bei Kenntnis der Königskonjunktion 1007 in ihrer göttlichen oder archetypischen Bestimmtheit zu begreifen.

Bei Heintich's Geburt stand der Planet der Sohnschaft, Jupiter, in deutlicher Resonanz zum Neptun des schwachen Königs. Seine Geburts-Sonne hingegen teilt das Schicksal der Sonne der Königskonjunktion: die Gefangenschaft durch Konjunktion mit Pluto in dessen Zeichen Skorpion.


11.11.1050
Heinrich IV.



11.11.1050
Transit auf 1007

 Im Alter von 26, bei seinem welthistorischen Bußgang nach Canossa zum Papst Gregor VII. wo er sich drei Tage demütigte, um vom päpstlichen Bann losgesprochen zu werden, stand Saturn, das Schicksal des Kaisers, in Konjunktion zu Neptun am Himmel, so, wie es auf der Erde geschah.


Deutlich: die „Schwäche des Zentrums“ von 1007 - Neptun in der „Burg“ des Steinbocks - der „kindliche König“ - gibt aber zugleich der Wahrheit Gelegenheit, als Wahrheit des Erlösers im Zeichen des Kindes über die Welt zu treten und die Besessenen bloßzustellen[3]


Die Königskonjunktion von 1007 gibt den Feinden Christi des Erlösers aus  den dämonischen Archiven der Macht heraus Gelegenheit, sich vor der Welt zu zeigen, über achthundert Jahre.

Vater und Sohn zu versöhnen50 war 1007 noch einmal der Jungfrau in ihrer klugen Weltzugewandtheit zugefallen. Ihr Vermögen ist daher ein drittes Mal dem hermaphroditischen Archetyp des „ mercurius trismegistes“, des dreimalklugen, anheim gegeben. Dieser Merkur aber liegt wie die Sonne in  Skorpion, damit in priesterlicher Gefangenschaft.

Und 1007 zeigt die Königsvenus auf 13,5° Schütze - im Quadrat zur Versöhnung[4]  von Vater und Sohn auf 13,1 ° Jungfrau.  Zu eben derselben aus dem Versöhnungszeichen Schütze herausfordernd und –lockend[5] zeigt Venus die Sammlung der Herde und stellt somit „das Reich“ dar.



Murnau, 23. 4. 2021 UTC 14:30.

Fortsetzung: Der elende Mensch.

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